Eine Reise durch Neuseeland – Teil sechs: Berge, Farmer und ein Abschied

Highway 6 verlässt die Küste (Teil 5) und führt in die Berge. In Fox Glacier habe ich Gelegenheit, den Gletscher aus nächster Nähe zu sehen. Aufgrund des besonders heißen Sommers und der andauernden Trockenheit ist der Gletscherschwund besonders groß.

Der Fox-Gletscher.
Der Fox-Gletscher.
An den Hängen blüht noch die Südliche Rata (rot).
An den Hängen blüht noch die Südliche Rata (rot).
Das Gletschertor.
Das Gletschertor.
Auf dem Gletscher.
Auf dem Gletscher.

Den Abend im Ort Fox Glacier nutze ich, um nach Sonnenuntergang den Glühwürmchen-Wald zu besuchen. Während ich darauf warte, kann ich zusehen, wie sich Mount Tasman und Mount Cook, der höchste Berg Neuseelands, abwechselnd in Wolken hüllen und wieder daraus auftauchen.

Das Abendrot färbt den Mount Tasman und die Spitze des Mount Cook (rechts) ein.
Das Abendrot färbt den Mount Tasman und die Spitze des Mount Cook (rechts) ein.

Ich bin etwas zu früh im Wald, es ist noch Dämmerlicht. Trotzdem kann ich die magischen blauen Punkte in den Höhlen unter Wurzelballen und umgestürzten Bäumen bereits langsam aufglimmen sehen. Der Rundweg ist sehr gut besucht. Erst als es vollständig dunkel ist, nimmt der Ansturm ab. Die Strecke ist gut ausgebaut und nicht zu lang, ca. 20 Minuten. Ein sehr schöner Nachtspaziergang; wenn man erst bei völliger Dunkelheit ankommt, kann man in Ruhe schauen.

Am nächsten Morgen beleuchtet die Sonne wie immer zuerst die Gipfel der Berge, bevor das Licht langsam zu uns ins Tal kommt.
Am nächsten Morgen beleuchtet die Sonne wie immer zuerst die Gipfel der Berge, bevor das Licht langsam zu uns ins Tal kommt.

Die Reise geht auf dem Highway 6 weiter, hinauf in die Berge bis in die Stadt Queenstown. Von Queenstown aus habe ich Gelegenheit, einen Ausflug in den Skippers Canyon zu machen. Eine wirklich unvergessliche Tour, die ich nur empfehlen kann (http://www.queenstown-heritage.co.nz/).

Die unbefestigte Skippers Canyon Road windet sich entlang des Shotover River, teilweise zwischen Felswand und Schlucht. Es gibt einfach atemberaubende Ausblicke, während unser Guide von Heritage Tours uns die Geschichte des Canyons näher bringt. Im Shotover wurde viel Gold gefunden. Einige Spuren des Goldabbaus finden sich noch in den abgetragenen Terrassen. Immer wieder geht es ein Stück zu Fuß, um die Stille der Landschaft genießen zu können und ein paar Fotos zu machen.
Die Tour ist nicht für Mietwagen geeignet, in der Regel ist der Versicherungsschutz hier ausgeschlossen. Zudem erfordert es neben einem Allradantrieb auch einiges fahrerische Können, die enge, kurvenreiche Strecke zu meistern. Bei Gegenverkehr muss rangiert werden und teilweise geht es nur wenige Zentimeter neben den Rädern steil bergab, während der Kotflügel fast am Felsen schleift. Auf der geführten Tour bekommt man viele Informationen, kann die Landschaft genießen und das Navigieren dem erfahrenen Guide überlassen.

Auf dem Weg nach Skippers.
Auf dem Weg nach Skippers.
Durch Goldabbau ausgespülte Terrassen entlang des Shotover River.
Durch Goldabbau ausgespülte Terrassen entlang des Shotover River.
Die Straße windet sich in der Schlucht des Shotover entlang.
Die Straße windet sich in der Schlucht des Shotover entlang.

In Queenstown und Umgebung gibt es natürlich viel mehr zu entdecken, so dass auch ein längerer Aufenthalt lohnt. Man kann z.B. eine Jetboot-Fahrt den Shotover hinauf machen, Reitausflüge, Bungee Jumps usw. Die Stadt liegt am Ufer des Wakatipu-Sees, auf dem Ausflüge mit dem Dampfschiff Earnslaw angeboten werden. In der Nähe befindet sich der Gebirgszug der Remarkables, wo Szenen für den „Herrn der Ringe“ gedreht wurden. Das Skigebiet ist im Winter sehr beliebt.

Unsere Rundreise führt uns von Queenstown weiter, über Te Anau zum Milford Sound. Dabei kommen wir an den Spiegel-Seen vorbei. Sie machen bei stillem Wetter ihrem Namen alle Ehre, besonders, wenn weder Regentropfen noch neugierige Enten die Oberfläche stören.

Einer der Mirror-Lakes.
Einer der Mirror-Lakes.

Die Fahrt führt durch eine beeindruckende Bergwelt. In Te Anau hatte uns der Regen eingeholt, der auf den Bergen als Neuschnee angekommen ist. Dadurch zeigen sich die Gipfel frisch weiß gepudert und die vielen Wasserfälle haben Nachschub bekommen. Das macht die atemberaubende Landschaft für uns noch märchenhafter, besonders, da sich die Sonne wieder durchgesetzt hat.
Allerdings sind auch einige Highways, über die wir noch vor ein paar Tagen gefahren sind, schwer beschädigt worden. In Fox Glacier zum Beispiel haben die Reste des ehemaligen Tropensturms Fehi die Fahrbahn und Teile des Unterbaus weggespült. Die Strecke konnte erst am 29. März wieder für den Verkehr freigegeben werden, und das auch nur eingeschränkt.

Über die kurvige, steile Straße geht es durch den Homer-Tunnel hinab ans Wasser. Der Milford Sound ist ein Fjord, aber Milford Sound klingt doch irgendwie besser…

Auf einem Schiff befahren wir den Sound bis zu seiner Mündung in die Tasmanische See. Dabei ermöglicht der Kapitän den Passagieren die Milford-Taufe, indem er unter die großen Wasserfälle fährt.

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Die Robben lassen sich nicht bei ihrem Nickerchen stören.
Die Robben lassen sich nicht bei ihrem Nickerchen stören.

Nach diesem letzten Ausflug aufs Wasser führt unsere Reise zunächst zurück nach Queenstown und dann weiter in die Berge zum Mount Cook, dem wir uns diesmal von Osten nähern, entlang des Pukaki-Sees.

Blick über den unwirklich hellblauen Pukaki-See zum Mount Cook.
Blick über den unwirklich hellblauen Pukaki-See zum Mount Cook.

Wem das Panorama bekannt vorkommt – hier wurden Szenen für den Hobbit gedreht (Seestadt).

Mount Cook / Aoraki.
Mount Cook / Aoraki.

Der Aoraki ist mit 3.724 m der höchste Berg Neuseelands. Seine Höhe wurde auch mit 3.764 m ausgewiesen, aber infolge eines Bergrutsches im Jahr 1991 hat er ein paar Meter verloren und eine Neuvermessung ergab 2014 die jetzt angegebene Höhe.

Nachdem ich das Licht des Sonnenaufgangs auf den Bergen von Westen her gesehen habe, genieße ich dieses Naturschauspiel nun von der anderen Seite des Gebirgszuges.

Sonnenaufgang.
Sonnenaufgang.

Eine Wanderung zum Gletschersee Hooker Lake führt uns auf dem Hooker Valley Track näher an den Mount Cook heran.

Wer, so wie wir dank Isabelles kundiger Führung, die Wanderung in der Hochsaison bereits am frühen Morgen beginnt, wird noch die Stille der Landschaft genießen können. Später ist der gut begehbare Weg teilweise sehr belebt.

Der große Besucherandrang ist ein Grund, warum ich auf das Einbinden von Bildern unseres Zwischenstopps am Lake Tekapo, wohin uns die Fahrt von hier aus führt, verzichte. Der Andrang an der Kirche des Guten Hirten (Church of the Good Shepherd) ist so groß, dass das Fotografieren in der Kirche inzwischen untersagt ist. Auch der Zugang zur Kirche wird gelegentlich abgesperrt, um die Andacht des Ortes zu wahren.

Am Nachmittag erreichen wir Fairlie, das inmitten von Farmland liegt. Wir sehen beim Schafscheren zu und bekommen einen kleinen Einblick in das Farmleben. Für diese Nacht wird unsere Gruppe auf zwei Farmen aufgeteilt. So habe ich Michael und Jayne kennengelernt. Sie bewirtschaften eine Farm mit Rindern und Schafen. Außerdem betreiben sie Ackerbau, unter anderem für das Futtergetreide.
Als in Fairlie eine alte Schule abgerissen werden sollte, haben sie das Gebäude auf ihre Farm versetzen lassen. Das ist mit vielen neuseeländischen Häusern möglich, die aus Holz errichtet sind und teilweise sogar als „removable“ oder „transportable Homes“ vertrieben werden. Dafür war die alte Schule eigentlich nicht vorgesehen. Sie wurde trotzdem zerteilt, vor Ort wieder zusammengesetzt, liebevoll restauriert bzw. umgebaut. Das Gebäude dient der Familie zum Teil als Wohnhaus, während der andere Teil an Gäste vermietet wird (Farmstay). Jayne freut sich besonders über deutsche Gäste und ist dabei, Deutsch zu lernen. Sie hat uns mit einem sehr leckeren Abendessen bewirtet (alles aus eigener Produktion). Als krönenden Abschluss gab es Pavlova, eine Süßspeise, die als neuseeländisches Nationalgericht gilt. Wir wurden wie Familienmitglieder aufgenommen und haben bis in die Nacht gemütlich zusammen gesessen und uns unterhalten. Der Abschied am nächsten Morgen kam viel zu schnell.

Unsere Reise geht dem Ende entgegen. Die vorletzte Nacht dieser Rundreise verbringen wir in Akaroa, einem kleinen, von Franzosen gegründeten Ort auf der Banks-Halbinsel. Die Halbinsel wird von einem erloschenen Vulkan gebildet. Der Krater ist im Süden teilweise zum Südpazifik hin eingebrochenen. Die Fahrt auf dem Kraterrand um einen Teil des darin liegenden Naturhafens herum bietet immer wieder schöne Ausblicke.

In der Hafenbucht liegen zwei Kreuzfahrtschiffe vor Anker.
In der Hafenbucht liegen zwei Kreuzfahrtschiffe vor Anker.
Abendstimmung am Hafen von Akaroa.
Abendstimmung am Hafen von Akaroa.
Morgendlicher Regenbogen über der Hafenbucht von Akaroa.
Morgendlicher Regenbogen über der Hafenbucht von Akaroa.

Von Akaroa ist es nicht weit bis Christchurch, wo unsere Reise enden wird. Die Stadt ist noch immer vom schweren Erdbeben im Februar 2011 gezeichnet, bei dem mehr als 180 Menschen ihr Leben verloren. Viele Freiflächen künden von eingestürzten und abgetragenen oder abgerissenen Gebäuden. Die Kathedrale ist aufgrund der sehr schweren Schäden bisher nicht wieder aufgebaut worden, die Gottesdienste finden in der provisorischen, unter Benutzung von Karton errichteten Cardboard Cathedral statt.
Nicht sichtbar, aber keinesfalls weniger tief sind die Spuren, die die Katastrophe bei den Menschen hinterlassen hat.Sowohl bei den Einwohnern, als auch bei den Rettungskräften. Deren Hauptquartier wurde damals in der Kunstgalerie eingerichtet, die das Erdbeben zwar nicht unbeschädigt, aber doch besser als viele andere Gebäude überstanden hatte.
Der Wieder- und Neuaufbau der Stadt geht voran und wird auch als Chance verstanden und genutzt, lieb gewordenes wieder auferstehen zu lassen, Fehler aber nicht zu wiederholen.

Eingebettet in den Hagley-Park im Zentrum von Christchurch liegt der botanische Garten. Auf dem weitläufigen Gelände gibt es auch einen Bereich, der den einheimischen Pflanzen gewidmet ist.

Der Botanische Garten.
Der Botanische Garten.

Nach einem Spaziergang durch den Park und den botanischen Garten zur Kunstgalerie neigt sich dieser letzte Tag in Neuseeland dem Ende entgegen. Am nächsten Morgen geht es für mich zurück nach Deutschland. Ich verabschiede mich nicht mit „Lebewohl“, sondern mit „Auf Wiedersehen“…

E noho rā.
Aroha nui.

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3 Gedanken zu „Eine Reise durch Neuseeland – Teil sechs: Berge, Farmer und ein Abschied“

  1. Hallo Susanne,
    nachdem ich jetzt auch den sechsten Teil deines wunderbaren Reiseberichts gelesen habe, möchte ich dich inständig bitten: Mach einen Blog auf und erzähl von deinen anderen Reisen. Einen Stammleser hättest du schon.
    Beste Grüße
    Martin

  2. Hallo Susanne,
    ich kann mich Martins Worten nur anschließen: das sind faszinierende Reiseberichte, die Lust auf mehr machen!
    Alles wunderbar zu lesen und man möchte als Leser im Bericht „versinken“ und sofort auf die Reise gehen! Besser geht es nicht!
    Ich freue mich daher schon sehr auf deine nächsten Berichte, entweder hier oder in deinem zukünftigen eigenen Blog 🙂
    Einen zweiten Stammleser hättest du auch schon!
    Liebe Grüße vom Zeitreisenden!

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