Eine Reise durch Neuseeland – Teil vier: Nirgendwo und noch viel weiter

Wir haben die „Heiligen Wasser“ verlassen (Teil 3) und der Regen ist wieder da. Irgendwie hat er aber ein Einsehen und macht dann Pause, wenn wir einen Stopp einlegen. Wie hier an den Huka-Wasserfällen.

Vorbei am Taupo-See, dem größten See des Landes, geht es weiter. Er ist durch eine gewaltige Vulkanexplosion entstanden und speist den Waikato-Fluss, der an den Huka-Fällen in einem Blauton schäumt, der mich an den Halbedelstein Larimar erinnert.

Durch strömenden Regen gelangen wir in die Manawatu-Wanganui-Region. Unsere Fahrt führt uns am Tongariro-Nationalpark vorbei. Die Vulkane haben sich hinter den tiefhängenden Wolken versteckt. Der Regen lässt etwas nach, als wir uns über eine schmale, kurvenreiche Straße der Ansiedlung Pipiriki nähern. Hier werden wir in ein Jetboot umsteigen, das uns den Fluss Whanganui hinauf bringt (man spricht „Wh“ als „F“). Nach Nirgendwo…

Die Stromschnellen flussauf schicken Schaumbläschen auf die Reise, während wir bald nach Nirgendwo aufbrechen.
Die Stromschnellen flussauf schicken Schaumbläschen auf die Reise, während wir bald nach Nirgendwo aufbrechen.

Der Fluss hieß lange Zeit Wanganui, wie die an seiner Mündung liegende Stadt. Er erhielt Anfang der 90er Jahre seinen ursprünglichen Maori-Namen wieder, die Stadt heißt weiterhin Wanganui.

Das Flussbett hat sich stellenweise tiefe Täler in die Felsen geschnitten. Dadurch kann der Wasserstand bei starken Regenfällen relativ schnell um mehrere Meter steigen. In dem Gebiet, durch das wir fahren, wächst dichter Regenwald. Durch eine urwüchsige Schluchtenwelt geht es, den Flusswindungen folgend, stromauf.

Der Regen hat wieder eingesetzt, so dass er uns im Jetboot kräftig ins Gesicht schlägt. Zum Glück ist es nicht kalt. Trotzdem sind alle froh, als wir an Land gehen. Das gestaltet sich wegen des schlammigen Bodens etwas rutschig, aber mit dem richtigen Schuhwerk geht es. Da wir von Isabelle vorgewarnt wurden, hatte ich mein Regenoutfit um die Wanderstiefel mit der griffigen Sohle ergänzt, bevor ich eingestiegen bin. So habe ich trockene Füße und einen besseren Halt auf dem glitschigen Untergrund. Wir wandern durch dichten, tropfnassen Regenwald zur „Brücke nach Nirgendwo“.

Der Regenwald erobert Hänge und Ufer des Mangapurua.
Der Regenwald erobert Hänge und Ufer des Mangapurua.
Nebel, Wolken, Regen – alles vermischt sich.
Nebel, Wolken, Regen – alles vermischt sich.
Die „Brücke nach Nirgendwo“ (Bridge To Nowhere) über den Mangapurua, einen Nebenfluss des Whanganui.
Die „Brücke nach Nirgendwo“ (Bridge To Nowhere) über den Mangapurua, einen Nebenfluss des Whanganui.

Die Brücke hat man in den 30er Jahren errichtet. Sie ist aus Beton und wurde in Erwartung der Erschließung des umliegenden Gebietes durch eine Straße gebaut. Der Straßenbau fand jedoch nie statt und einige bereits bestehende Farmen in der Nähe wurden aufgegeben, so dass die Brücke nie ihren eigentlichen Zweck erfüllen konnte. Sie erscheint unwirklich, wie sie im (nun wieder) Nieselregen inmitten der dichten Vegetation auftaucht.

Auf der kurzen Wanderung habe ich unter anderem die Weiße Rata kennengelernt, eine Kletterpflanze aus der Familie der Eisenhölzer. Sie wächst im Gegensatz zu ihrer Verwandten, der Südlichen Rata (rotblühend), die Bäume hinauf.

Weiße oder Kletter-Rata (Metrosideros perforata).
Weiße oder Kletter-Rata (Metrosideros perforata).

An nächsten Tag geht es mit dem Jetboot wieder zurück. Der Fluss vor uns liegt stellenweise ruhig wie ein Spiegel.

Morgenstimmung am Whanganui.
Morgenstimmung am Whanganui.

Unsere Fahrt führt uns zunächst neben dem Fluss nach Wanganui. Der Regen ist hinter uns in den Bergen zurück geblieben, so dass es jetzt etwas trockener wird.

Auf dem Weg nach Wanganui – der Raukawa-Wasserfall
Auf dem Weg nach Wanganui – der Raukawa-Wasserfall

Wer sich in Wanganui einen Überblick über die Umgebung verschaffen möchte, kann auf den Durie Hill spazieren und dort den War Memorial Tower besteigen. Wenn man nicht die Stufen den Hügel hinauf nehmen möchte, kann man den Aufzug nutzen. Am Fuß des Hügels beginnt ein Tunnel, der an einem Aufzugschacht endet. Mit dem „Durie Hill Elevator“, der 1919 eröffnet wurde, geht es 66m in die Höhe. Nach einem kurzen Fußweg kann man dann die 176 Stufen der Wendeltreppe des Turms in Angriff nehmen.

Blick über den Whanganui auf den Durie Hill mit War Memorial Tower und Hügelstation des Aufzugs (rechts vom Turm).
Blick über den Whanganui auf den Durie Hill mit War Memorial Tower und Hügelstation des Aufzugs (rechts vom Turm).

Bei schönem Wetter wird man mit einem weiten Blick auf die Flussmündung, die Stadt oder das Hinterland bis zu den Bergen belohnt.

Hinter Wanganui mündet der Whanganui in die Tasman-See.
Hinter Wanganui mündet der Whanganui in die Tasman-See.

Auch in der Stadt gibt es viel zu entdecken.

„Bearing“ - Der Verlauf des Whanganui als Riss in einer Sphäre aus glänzendem Stahl.
„Bearing“ – Der Verlauf des Whanganui als Riss in einer Sphäre aus glänzendem Stahl.

Die Reise führt uns weiter, teilweise an der Küste entlang, nach Wellington.

Für diese Nacht habe ich eine ganz besondere Verabredung. Im Zealandia-Park (https://www.visitzealandia.com/) möchte ich endlich Neuseelands Nationalvogel, den Kiwi, sehen. In (relativ) freier Wildbahn. Zealandia ist ein großes, eingezäuntes Schutzgebiet. Dort wird versucht, die ursprüngliche Fauna und Flora Neuseelands zu bewahren und nicht-heimische Tiere und Pflanzen aus dem Gebiet zu verdrängen sowie dauerhaft fern zu halten. In diesem Wald kann man nachts bei einer geführten Wanderung Kiwis bei der Nahrungssuche beobachten. Im Rotlicht der eingefärbten und abgedunkelten Taschenlampen können auch andere Bewohner des Refugiums angeschaut werden. Dabei ist man über einen kleinen Audio-Empfänger mit dem Guide verbunden. So kann man zuhören und gleichzeitig die nähere Umgebung im Auge behalten. Einige Vögel waren zur hören, aber nicht zu sehen (z.B. der einheimische Ruru = Kuckuckskautz). Es ist erlaubt, Fotos zu machen, wenn man keinen Blitz, kein sichtbares AF-Hilfslicht und kein beleuchtetes Display verwendet. Das weiße bzw. helle Licht verschreckt im Gegensatz zum Rotlicht die nachtaktiven Tiere.

Suchbild mit Zwergkiwi (von hinten).
Suchbild mit Zwergkiwi (von hinten).

Der Besuch ist sehr empfehlenswert. Ich habe viel gesehen und besonders auch gehört. Die Rufe der Kiwis mischen sich mit denen anderer nachtaktiver Vögel und es entsteht eine ganz besondere Atmosphäre. Mit im Preis für die Nachtführung enthalten ist der Eintritt für den nächsten Tag, so dass man dann die tagaktiven Vögel beobachten kann. Damit ist es auch möglich, die Ausstellung im Eingangsgebäude etwas intensiver anzusehen.

Diese Möglichkeit habe ich genutzt. Der kostenlose Shuttle-Bus fährt z.B. in der Nähe der Touristen-Information (Wakefield Street, gegenüber dem Hotel West Plaza) ab.

Mit dem Shuttle ging es vom Park weiter zur Endstation des „Cable Car“ am botanischen Garten. Die Wanderung von hier aus durch den botanischen Garten, am Parlament vorbei zur Kirche „Old Saint Paul’s“ und weiter durch die Stadt, am Hafen entlang zum Nationalmuseum „Te Papa Tongarewa“ kann bei hochsommerlichen Temperaturen anstrengend sein, lohnt sich aber.

Auf halbem Wege kann man sich bei einer Führung durch das klimatisierte Parlamentsgebäude etwas abkühlen und dabei noch viel erfahren und auch sehen – z.B. den Sitzungssaal (https://www.parliament.nz/en/visit-and-learn/visit/guided-tours/). Fotografiert werden darf aber nicht.

Die historische Kirche „Old Saint Paul’s“ hat sehr schöne Glasfenster. Nicht nur die Kanzel und das Gestühl dieser Holzkirche sind mit schönen Schnitzereien verziert. Wer genug Zeit mitbringt, kann viele interessante Details entdecken. Ein Abstecher zu diesem hinter Bäumen versteckten Kleinod lohnt sich.

Am Hafen kann man sich später mit einem leckeren Eis belohnen, zum Beispiel mit der neuseeländischen Spezialität „Hokey pokey“.

Der Besuch im „Te Papa“ (https://www.tepapa.govt.nz/) ist zu empfehlen, es gibt sehr viele sehenswerte Exponate. Das Fotografieren ist mit Ausnahme von gekennzeichneten Exponaten oder Ausstellungen (z.B. „The world of Maori“) erlaubt. Unter anderem gibt es einen Riesen-Kalmar zu bestaunen, dessen Untersuchung und Präparierung neben dem Exponat in einem Film gezeigt werden. Er wird leider Anfang April 2018 aus der Ausstellung genommen und kehrt erst 2019 zurück.

Von Wellington aus wird es am nächsten Tag wieder nass – wir sind auf dem Wasser unterwegs. Zunächst mit der Fähre nach Picton auf die Südinsel.

Mit der Fähre „Kaitaki“ unterwegs zur Südinsel.
Mit der Fähre „Kaitaki“ unterwegs zur Südinsel.

In Picton begeben wir uns an Bord eines ganz besonderen Seglers, der „Steadfast“. Der Skipper hat sie selbst anhand von Plänen der Jolie Brise, eines 1913 in Le Havre vom Stapel gelaufenen ehemaligen Lotsenbootes mit bewegter Geschichte  und Gewinnerin des ersten Fastnet Race, gebaut. Auf ihr erkunden wir einen Teil der Marlborough Sounds.

Mit gesetzten Segeln unterwegs …
Mit gesetzten Segeln unterwegs …
Die „Steadfast“.
Die „Steadfast“.

Unsere Fahrt führt uns in den Endeavour Inlet, wo wir in der Nähe des Queen Charlotte Tracks übernachten. Ich habe die Gelegenheit für einen kurzen Spaziergang genutzt.

Traumhaft – Blick vom Queen Charlotte Track über Camps Bay.
Traumhaft – Blick vom Queen Charlotte Track über Camps Bay.
Morgenstimmung über der Bucht.
Morgenstimmung über der Bucht.

Am nächsten Tag geht es weiter – langsam hinein in die fantastische Natur der Südinsel. Davon aber mehr im nächsten Teil….

Sonnenuntergang...
Sonnenuntergang…

Ein Gedanke zu „Eine Reise durch Neuseeland – Teil vier: Nirgendwo und noch viel weiter“

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